Die wirtschaftliche Situation Vietnams

Die vietnamesische Wirtschaft wächst seit Jahren beständig. Die Kriegsjahre liegen über vier Jahrzehnte zurück. Die Hungersnot der 80er Jahre mit den vielen Flüchtlingen, den Boat-People, ist längst vergessen. Die hohe Armutsquote konnte deutlich gesenkt werden. Es entsteht eine neue Mittelstandsschicht. Bald leben 100 Millionen Menschen und somit potentielle Konsumenten in dem bevölkerungsreichen Land. Das Bruttoinlandprodukt hat sich seit 1990 bemerkenswert vervierzigfacht. Mit 250 Milliarden USD im Jahr 2018 liegt Vietnam im südostasiatischen Vergleich aber immer noch hinter Thailand, Singapur, Malaysia und den Philippinen.

Das ungebremste Wachstum geht zunehmend auf Kosten der Umwelt und der natürlichen Ressouren. In den ländlichen Regionen, dort leben zwei Drittel der Bevölkerung, ist zudem der wirtschaftliche Aufschwung noch längst nicht angekommen. Investitionen in die öffentliche Infrastruktur fliessen vorwiegend in die grossen Metropolen und aufstrebenden Wirtschaftszentren. Die Inflation verursachte die letzten 10 Jahre eine Preissteigerung von 90%. Die Sozialrenten für Behinderte und alte Menschen hingegen blieben unverändert. Die Löhne steigen nur langsam. Die einseitige Fokussierung des Staats auf das Wirtschaftswachstum führt in anderen Bereichen zum Stillstand. Das Gesundheitssystem ist katastrophal. Das Bildungssystem ist ineffizient und bietet keine Chancengleichheit. Für die meisten Arbeitnehmer existiert kaum eine soziale Absicherung bei Krankheit, Invalidität und Alter. Die Verlierer des Aufschwungs sind die Ärmsten der Bevölkerung.
Akkord-Näherinnen in einer Kleiderfabik in Hanoi (Foto Jimmy Tran/Shutterstock.com)

Mindestlohn in Vietnam

2019 beträgt der staatlich verordnete Mindestlohn abgestuft nach Region 125 bis 180 Franken pro Monat bei einer 48 Stundenwoche (6 Arbeitstage) und 12 bezahlten Ferientagen pro Jahr. Die tiefen Lohnkosten und der fast unerschöpfliche Markt an jungen, motivierten Arbeitskräften sind für die Wirtschaft äusserst attraktiv. Ausländische Investoren und Konzerne strömen ins Land. Samsung betreibt in Vietnam die weltweit grösste Mobiltelefonfabrik. Die Schweizer Post führt mit der Tochterfirma Swiss Post Solutions in Can Tho ein Dienstleistungszentrum mit dem Slogan Swiss Quality – Made in Vietnam. Der erste vietnamesische Milliardär baut gerade im Rekordtempo in Hai Phong ein Produktionswerk für die neue vietnamesische Automarke VinFast – mit deutscher Technologie und amerikanischen Managern. Gemäss dem staatlichen Vietnamesischen Gewerkschaftsbund reicht der Lohn vieler Arbeitnehmer nicht um die Lebenshaltungskosten zu decken. Die Hälfte der Arbeitnehmer leisten deshalb regelmässig Überstunden oder haben einen Zweitjob, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Made in Vietnam

In Vietnam hergestellte Waren sind längst Teil unseres Alltags und überall im Detailhandel zu finden: Agrarprodukte wie exotische Früchte, Fisch und Meeresfrüchte, Textilien und Bekleidung, Schuhe, Blumentöpfe, Gartenmöbel, Mobiletelefone und Computer. Alles Waren die im Tieflohnsektor hergestellt werden.