Die Lebenssituation alter Menschen in Vietnam

In den letzten Jahren hat sich das Einkommen vieler Menschen in Vietnam verbessert, ausser für Menschen über 60 Jahre. Obwohl hoch betagte Menschen (80+) ein Anrecht auf eine staatliche Sozialrente haben, hat sich deren Einkommen inflationsbereinigt sogar verschlechtert. Die Rente ist mit 270‘000 VND (12 CHF) zudem sehr tief. Allein die monatlichen Ausgaben für Lebensmittel sind deutlich höher. In der Altersgruppe der 60-79 Jährigen muss der Grossteil ohne staatliche Unterstützung auskommen. Der Anspruch auf eine Sozialrente besteht nur für diejenigen, welche arm sind und keine Familie haben.

Alte Menschen sind von ihren Familien abhängig. Pflege und Fürsorge sind immer noch traditionell innerhalb der Familie verankert. Die meisten leben deshalb im Haushalt ihrer Angehörigen oder zumindest in unmittelbarer Nachbarschaft. Die familiäre Unterstützung ist jedoch bei weitem nicht immer ausreichend, etwa wenn die Familie selber in Armut lebt oder wenn bei den Alten gespart wird. Sehr schwierig ist es für diejenigen, die keine Familie haben oder diese infolge Landflucht weit entfernt leben.

Mangel- und Unterernährung sowie ungenügende medizinische Versorgung sind bei alten Menschen häufig anzutreffen. Solange es aber die Gesundheit irgendwie erlaubt, versuchen viele mit einfachen Tätigkeiten etwas Einkommen zu generieren. Mit steigendem Alter schränken jedoch chronische Krankheiten und Behinderungen die Arbeitsfähigkeit zunehmend ein.

Die alte Frau lebt zusammen mit ihrer Schwester in einer sehr bescheidenen Hütte ohne Wasser und Strom. Zum Kochen wird Holz im Wald gesammelt. Das Essen ist sehr einseitig und besteht oft nur aus Reis.

Das vietnamesische Sozialversicherungssystem

Seit 1995 existiert in Vietnam ein Sozialversicherungssystem welches Krankheit, Berufsunfälle, Arbeitslosigkeit und die Alters- und Hinterbliebenenversorgung abdeckt. Die Leistungen sind aber eher bescheiden. Eine monatliche Altersrente erhält, wer mindestens 20 Jahre Beiträge einbezahlt hat. Davon profitieren aber nur Angestellte aus dem formalen Sektor (Staatsangestellte, Militär, Banken, Grosskonzerne und grössere KMU-Betriebe). Diese machen allerdings nur gut 25% der arbeitstätigen Bevölkerung aus. Der grosse Teil arbeitet entweder auf eigene Rechnung, in Familien- und Kleinbetrieben, als Taglöhner oder Gelegenheitsarbeiter. Diese sind vom Sozialversicherungssystem ausgeschlossen. Sie zahlen zwar keine Beiträge aber es stehen ihnen auch keine Leistungen zur Verfügung. Um diese soziale Ungerechtigkeit etwas abzufedern, steht seit einigen Jahren Menschen mit Behinderungen und verarmten alten Menschen eine beitragsfreie staatliche Sozialrente zu. Diese ist allerdings sehr tief und reicht nicht zum Leben.